Bonusbedingungen lesen und richtig einschätzen
Ein Bonus von CHF 200 klingt nach geschenktem Geld, bis man die Umsatzbedingung danebenlegt. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie die Bonusbedingungen eines Online-Casinos oder Wettanbieters lesen, bevor Sie die erste Einzahlung tätigen. Wir rechnen an einem Beispiel in Franken vor, was ein Umsatzfaktor kostet, und erklären die Klauseln, die einen Gewinn nachträglich begrenzen.
Gedacht ist der Text für Spielerinnen und Spieler in der Schweiz, die ein Angebot prüfen wollen, statt der höchsten Zahl auf der Startseite zu folgen. Die rechtlichen Angaben haben wir bei der ESBK und der Eidgenössischen Steuerverwaltung nachgelesen.

Was die Umsatzbedingung wirklich verlangt
Die wichtigste Zeile in den Bonusbedingungen ist der Umsatzfaktor, und sie ist fast nie die grösste auf der Seite. Sinngemäss steht dort: «Der Bonus muss 35-mal umgesetzt werden, bevor eine Auszahlung möglich ist.» Ohne die Angabe, worauf sich die 35 beziehen, ist die Zahl wertlos.
Rechnen wir es durch. Sie zahlen CHF 200 ein und erhalten 100 Prozent Bonus auf die Einzahlung, also weitere CHF 200. Bezieht sich der Faktor 35 nur auf den Bonus, müssen Sie CHF 7’000 einsetzen. Bezieht er sich auf Bonus plus Einzahlung, sind es CHF 14’000.
Was heisst das in Geld? Ein Slot mit einem RTP von 96 Prozent behält über viele Runden im Durchschnitt rund 4 Prozent jedes Einsatzes. Bei CHF 7’000 Umsatz sind das etwa CHF 280 erwarteter Verlust, bei CHF 14’000 rund CHF 560. Beide Beträge liegen über den CHF 200, die Ihnen als Bonus gutgeschrieben wurden.
Der Bonus kostet Sie im Mittel also mehr, als er bringt.
Das ist eine Durchschnittsrechnung und keine Prognose für Ihre Sitzung, denn die Varianz kann in beide Richtungen ausschlagen. Sie zeigt aber, warum ein hoher Bonus mit hohem Faktor einem kleinen mit niedrigem Faktor nicht überlegen ist und warum Ranglisten nach Bonushöhe wenig aussagen. Wer Boni vergleicht, vergleicht deshalb zuerst den Pflichtumsatz in Franken und erst danach die Prozentzahl.
Umsatz auf Bonus oder auf beides
Dieselbe Zahl, zwei Bezugsgrössen: Die Gegenüberstellung nimmt das Beispiel oben mit CHF 200 Einzahlung, CHF 200 Bonus und Faktor 35. Die Werte sind gerechnet und nicht bei einem bestimmten Anbieter erhoben.
35-mal Bonus | 35-mal Bonus plus Einzahlung |
|---|---|
| Pflichtumsatz: CHF 7'000 | Pflichtumsatz: CHF 14'000 |
| Erwarteter Verlust bei 96 % RTP: rund CHF 280 | Erwarteter Verlust bei 96 % RTP: rund CHF 560 |
| Mindestens 1'400 Runden bei CHF 5 Höchsteinsatz | Mindestens 2'800 Runden bei CHF 5 Höchsteinsatz |
| Verstoss gegen Höchsteinsatz: Bonus und Gewinne verfallen meist | Verstoss gegen Höchsteinsatz: gleiche Folge |
Klauseln, die Ihren Gewinn begrenzen
Nach dem Umsatzfaktor kommen die Klauseln, die festlegen, wie Sie umsetzen dürfen. Sie stehen typischerweise weiter unten und entscheiden trotzdem, ob am Ende etwas übrig bleibt.
Höchsteinsatz und Spielgewichtung
Viele Bedingungen begrenzen den Einsatz pro Runde, solange Bonusguthaben aktiv ist, häufig auf einen tiefen einstelligen Frankenbetrag. Wer darüber spielt, riskiert Bonus und Gewinne. Dazu kommt die Gewichtung: Slots zählen meist zu 100 Prozent, Tischspiele und live casino oft nur teilweise oder gar nicht. Zählt Roulette zu 10 Prozent, werden aus CHF 7’000 Pflichtumsatz plötzlich CHF 70’000 Einsatz am Tisch.
Fristen, Obergrenzen und Auszahlung
Die Frist für den Umsatz liegt in vielen AGB zwischen einigen Tagen und rund einem Monat. Bei CHF 7’000 Umsatz in sieben Tagen sind das CHF 1’000 pro Tag, was mehr über den Bonus verrät als jede Werbung. Freispiele tragen oft eine Gewinnobergrenze, sinngemäss: «Gewinne aus Freispielen sind auf CHF 100 begrenzt.» Gewinnen Sie CHF 400, verfallen CHF 300.
Prüfen Sie ausserdem, in welcher Reihenfolge echtes Guthaben und Bonusguthaben verbraucht werden und ob eine Auszahlungsanfrage vor Erfüllung des Umsatzes den gesamten Bonus streicht. In manchen Bedingungen genügt bereits der Klick auf «Auszahlen», damit der Bonus samt den daraus entstandenen Gewinnen entfernt wird, während Ihre eigene Einzahlung davon unberührt bleibt.
Fett gedruckt steht das selten.
Bonusbedingungen in sechs Schritten prüfen
Die folgende Reihenfolge eignet sich für jedes Angebot, ob Einzahlungsbonus, Freispiele oder Freiwette. Sie brauchen dafür die vollständigen Bonusbedingungen, nicht die Werbeseite, und etwa eine Viertelstunde Zeit.
- Schritt 1
Vollständige Bonusbedingungen statt Werbeseite öffnen
Suchen Sie die allgemeinen und die bonusspezifischen Bedingungen und lesen Sie beide. Gibt es eine deutsche und eine englische Fassung, vergleichen Sie die Zahlen; bei Abweichungen regeln die AGB in der Regel, welche Sprache verbindlich ist. - Schritt 2
Umsatzfaktor und seine Bezugsgrösse notieren
Halten Sie fest, ob der Faktor für den Bonus allein oder für Bonus plus Einzahlung gilt. Multiplizieren Sie den Faktor mit diesem Betrag, damit Sie den Pflichtumsatz in Franken vor sich haben. - Schritt 3
Erwarteten Verlust grob in Franken überschlagen
Nehmen Sie den Pflichtumsatz mal den Hausvorteil, bei einem RTP von 96 Prozent also mal 0,04. Liegt das Ergebnis über dem Bonusbetrag, kostet Sie das Angebot im Durchschnitt mehr Geld, als es Ihnen gutschreibt. - Schritt 4
Höchsteinsatz und Spielgewichtung gegeneinander abgleichen
Prüfen Sie, welche Spiele zu wie viel Prozent zählen und welcher Einsatz pro Runde erlaubt ist. Ihre Lieblingsspiele nützen nichts, wenn sie ausgeschlossen sind oder nur zu einem Bruchteil zum Umsatz beitragen. - Schritt 5
Frist und Gewinnobergrenze in Tagesbeträge umrechnen
Teilen Sie den Pflichtumsatz durch die Anzahl Tage der Frist. Notieren Sie zusätzlich jede Obergrenze für Gewinne aus Bonus oder Freispielen, denn sie begrenzt den möglichen Ertrag unabhängig davon, wie gut eine Sitzung verläuft. - Schritt 6
Auszahlungsregeln und Verfall vor Einzahlung klären
Klären Sie, ob eine Auszahlung vor Erfüllung des Umsatzes den Bonus streicht und ob KYC-Dokumente vorher verlangt werden. Bleibt etwas unklar, fragen Sie den Support schriftlich und speichern Sie die Antwort.
Schweizer Konzession und ausländische AGB
Wo Sie spielen, entscheidet mit darüber, welche Regeln für einen Bonus gelten. Online-Casinospiele dürfen in der Schweiz nur Spielbanken anbieten, die dafür eine Erweiterung ihrer Konzession beim Bundesrat und eine Bewilligung der ESBK erhalten haben. Welche Anbieter das sind, veröffentlicht die ESBK auf ihrer Website.
Für Boni ist Artikel 73 des Geldspielgesetzes einschlägig: Gratisspiele und Gratisspielguthaben bedürfen der vorgängigen Zustimmung der zuständigen Vollzugsbehörde. Darlehen und Vorschüsse an Spielende sind den Veranstaltern untersagt.
Anbieter mit Sitz im Ausland und ohne Schweizer Bewilligung setzt die ESBK auf eine Sperrliste, die Schweizer Internetanbieter technisch durchsetzen müssen. Wer trotzdem dort spielt, macht sich laut ESBK nicht strafbar, tut es aber auf eigene Gefahr. Für Bonusbedingungen heisst das konkret: Ein Streit über eine gestrichene Auszahlung richtet sich dann nach den AGB des Betreibers, und die Schweizer Aufsicht ist für diesen Betreiber nicht zuständig.
Auch die Steuer gehört in die Rechnung.
Gewinne aus der Online-Teilnahme an Spielbankenspielen, die nach dem Geldspielgesetz zugelassen sind, bleiben laut Eidgenössischer Steuerverwaltung bis zu einem Freibetrag von rund einer Million Franken steuerfrei. Gewinne aus nicht bewilligten Angeboten sind dagegen vollumfänglich steuerbar, was den Wert eines vermeintlich grosszügigeren Bonus weiter schmälert.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen zu Bonusbedingungen
Was bedeutet ein Umsatzfaktor von 35x?
Sie müssen einen Betrag 35-mal einsetzen, bevor Bonusgewinne auszahlbar werden. Entscheidend ist der Bezug: Bei CHF 200 Bonus sind es CHF 7’000, bei Bonus plus Einzahlung von zusammen CHF 400 bereits CHF 14’000.
Zählen alle Spiele gleich zum Umsatz?
Nein. Slots zählen typischerweise voll, Tischspiele und live casino oft nur teilweise oder gar nicht. Die Gewichtungstabelle steht in den Bonusbedingungen und verändert den tatsächlich nötigen Einsatz erheblich.
Was passiert, wenn ich den Höchsteinsatz überschreite?
In den meisten Bedingungen darf der Anbieter dann den Bonus und die daraus entstandenen Gewinne streichen. Prüfen Sie deshalb vor der ersten Runde, welcher Einsatz bei aktivem Bonusguthaben erlaubt ist.
Kann ich einen Bonus auch ablehnen?
Bei vielen Anbietern ja, etwa per Häkchen bei der Einzahlung oder über den Support. Ohne Bonus gelten weder Umsatzfaktor noch Höchsteinsatz, und Ihr Guthaben unterliegt nur den normalen Auszahlungsregeln.
Dürfen Schweizer Online-Casinos Boni anbieten?
Ja, doch Gratisspiele und Gratisspielguthaben brauchen nach Artikel 73 des Geldspielgesetzes die vorgängige Zustimmung der zuständigen Behörde. Online-Casinospiele bieten in der Schweiz nur Spielbanken mit entsprechender ESBK-Bewilligung an.
Sind Gewinne aus einem Bonus steuerfrei?
Gewinne aus zugelassenen Schweizer Online-Spielbanken sind laut Steuerverwaltung bis zu einem Freibetrag von rund einer Million Franken steuerfrei. Gewinne aus nicht bewilligten ausländischen Angeboten sind dagegen vollumfänglich steuerbar.
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Was wir zuerst prüfen, ist genau diese Bezugsgrösse, weil sie den Umsatz verdoppeln kann, ohne dass sich die beworbene Zahl ändert. Steht in den AGB nur «35x» ohne Zusatz, lohnt sich eine schriftliche Rückfrage beim Support. Die Antwort gehört dann als Kopie zu Ihren Unterlagen.