White Label im Online-Casino

Corinne Lüthi-Rodrigues
Zuletzt aktualisiert am 16. September 2026, 10:33
  • Sicherheit
  • Strategie

Ein White Label ist ein Online-Casino, das unter einer eigenen Marke auftritt, technisch und rechtlich aber auf der Plattform und meist auf der Lizenz eines Drittanbieters läuft. Die Markeninhaberin kümmert sich um Auftritt und Werbung, während der Plattformbetreiber Spiele, Zahlungen, KYC und die Regeln zum Spielerschutz stellt. Für Sie als Spielerin oder Spieler ist deshalb entscheidend, wer im Impressum und in den AGB als Vertragspartner steht, denn das ist selten der Name auf dem Logo.

White Label

Wie das White-Label-Modell aufgebaut ist

Hinter einem White Label stehen in der Regel zwei Parteien mit klar getrennten Aufgaben. Der Plattformanbieter liefert die Software, bindet Spiele und Zahlungsmethoden an, betreibt die Kundenkonten und übernimmt Geldwäscherei-Kontrollen sowie die Vorgaben seiner Aufsichtsbehörde. Die Markenpartnerin gestaltet Name, Design und Bonusaktionen und bringt neue Kundschaft auf die Seite, wofür sie meist einen Anteil am Spielertrag erhält.

Ein White Label ist keine eigene Lizenzart.

Es handelt sich um ein Geschäftsmodell, bei dem die Lizenz des Anbieters mehrere Marken unter einem regulatorischen Dach abdeckt. Die britische Gambling Commission formuliert es nüchtern: Bewilligt wird der Betreiber als Lizenznehmer, nicht die einzelne Domain. Wie weit die Zuständigkeiten im Detail reichen, regelt jeder Vertrag anders, und die Praxis unterscheidet sich je nach Anbieter und Lizenzland deutlich. Häufig genannte Lizenzorte für solche Plattformen sind Malta, Curaçao, die Isle of Man, Kahnawake und Anjouan, wobei Curaçao das frühere System der Unterlizenzen mit seinem neuen Glücksspielgesetz abgeschafft hat.

Was ich zuerst prüfe, ist darum immer der Abschnitt der AGB, in dem die Vertragspartei genannt wird. Suchen Sie dort nach Firmenname, Sitz und Lizenznummer, bevor Sie ein Konto eröffnen.

Was ein White Label für den Spielerschutz bedeutet

Weil die Plattform und nicht die Marke rechtlich verantwortlich ist, gelten auf einem White Label die Schutzregeln jener Behörde, die dem Plattformanbieter die Lizenz erteilt hat. Limiten, Pausen und Selbstsperren richten sich nach diesen Vorgaben und nicht nach dem Schweizer Geldspielgesetz. Mehrere Marken auf derselben Plattform können zudem dieselbe Kundendatenbank teilen, was bei einer Sperre hilfreich sein kann, aber nicht zwingend so geregelt ist.

In der Schweiz dürfen Casinospiele online nur von Spielbanken angeboten werden, die dafür eine Konzessionserweiterung beim Bundesrat und eine Bewilligung der ESBK erhalten haben. Angebote ausländischer Betreiber ohne Schweizer Bewilligung setzt die ESBK auf eine Sperrliste, die Schweizer Internetanbieter technisch durchsetzen müssen. Die ESBK hält ausserdem fest, dass ausländische Anbieter nicht verpflichtet sind, in der Schweiz gesperrte Spielerinnen und Spieler auszuschliessen.

Genau hier liegt die Lücke.

Eine Spielsperre, die Sie bei einer Schweizer Spielbank beantragt haben, gilt also nicht automatisch auf einem ausländischen White Label, auch wenn dessen Marke vertraut wirkt oder auf Deutsch auftritt. Wenn Sie Ihr Spiel begrenzen möchten, beantragen Sie die Sperre bei einem Schweizer Casino und richten Sie zusätzlich bei Ihrer Bank eine Sperre für Glücksspielzahlungen ein, sofern Ihr Institut das anbietet.

Abgrenzung zu Turnkey und eigener Lizenz

White Label oder Turnkey

Am häufigsten wird das White Label mit der Turnkey-Lösung verwechselt. Bei Turnkey kauft oder mietet ein Unternehmen die fertige Software, betreibt das Casino aber unter einer eigenen Lizenz und trägt die regulatorische Verantwortung selbst. Beim White Label bleibt diese Verantwortung beim Plattformanbieter, der auch über Spielauswahl, Zahlungsmittel und zugelassene Märkte entscheidet.

Gleiche Plattform, andere Marke

Viele Leserinnen und Leser bemerken erst bei einer Auszahlung, dass zwei scheinbar verschiedene Casinos dieselben Bedingungen, dieselbe Support-Adresse und dieselbe Firma im Impressum haben. Das ist kein Hinweis auf Betrug, sondern die übliche Folge des Modells. Es bedeutet jedoch, dass eine Beschwerde an die Plattform und deren Aufsicht geht, nicht an die Marke.

Wir vergleichen deshalb bei jeder Prüfung die Firmenangaben im Fusszeilenbereich mit der Liste der bewilligten Schweizer Spielbanken auf der Website der ESBK. Machen Sie diesen Abgleich selbst, bevor Sie Geld einzahlen.

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