Martingale beim Roulette verstehen und nachrechnen
Die Martingale verspricht einen sicheren Kleingewinn: nach jedem Verlust den Einsatz verdoppeln, bis Rot oder Schwarz endlich trifft. Dieser Guide zeigt, wie das System auf den einfachen Chancen funktioniert und an welcher Stelle es zwingend bricht. Wir rechnen mit europäischem Roulette und 37 Feldern, weil dieses Rad in der Schweiz üblich ist. Er richtet sich an Leserinnen und Leser, die eine Progression ausprobieren wollen und vorher wissen möchten, was sie kostet. Am Ende können Sie das Risiko einer Serie selbst ausrechnen, bevor Sie einen Franken setzen.

So funktioniert die Martingale auf einfachen Chancen
Die Martingale ist eine Progression für Wetten, die etwa die Hälfte der Runden gewinnen: etwa Rot oder Schwarz. Man beginnt mit einer Grundeinheit, zum Beispiel 5 Franken. Verliert die Runde, verdoppelt man auf 10, dann auf 20, dann auf 40, bis ein Treffer kommt.
Der Treffer deckt alle bisherigen Verluste und bringt genau eine Grundeinheit Gewinn. Danach beginnt die Serie wieder bei 5 Franken.
Auf dem Papier wirkt das wasserdicht, denn irgendwann muss Rot ja kommen.
Das Problem liegt in der Quote. Eine einfache Chance zahlt beim europäischen Roulette 2,00, die Gewinnwahrscheinlichkeit beträgt aber nur 18 von 37 Feldern, also 48,65 %. Rechnet man 18/37 mal 2,00, erhält man 0,973: Von jedem gesetzten Franken fliessen im Mittel rund 2,7 Rappen an die Bank. Die faire Quote wäre 37/18, also etwa 2,06. Die Zero ist die ganze Marge, und keine Einsatzfolge schafft sie aus der Welt, weil jede einzelne Runde denselben Abzug trägt. Die Martingale verändert nur, wie sich Gewinne und Verluste verteilen: viele kleine Plus, selten ein sehr grosses Minus.
Martingale und flacher Einsatz im direkten Vergleich
Wir stellen die Verdopplung dem gleichbleibenden Einsatz gegenüber, beide auf Rot mit 5 Franken Grundeinheit. Die Werte folgen aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung, nicht aus gespielten Runden.
Martingale (verdoppeln) | Flacher Einsatz (5 CHF) |
|---|---|
| Hausvorteil pro Runde 2,7 % | Hausvorteil pro Runde 2,7 % |
| Häufige kleine Gewinne von 5 CHF | Gewinne und Verluste schwanken gleichmässig |
| Nach 8 Verlusten 1275 CHF Minus | Nach 8 Verlusten 40 CHF Minus |
| Scheitert am Tischlimit | Bleibt immer innerhalb des Limits |
Warum Tischlimit und Kapital jede Serie beenden
Eine Verdopplung wächst schneller, als die meisten erwarten. Nach acht Verlusten in Folge mit 5 Franken Grundeinheit sind 1275 Franken weg, und der neunte Einsatz müsste 1280 Franken betragen. Für einen Gewinn von 5 Franken.
Wie oft kommt so eine Serie? Die Chance, eine einfache Chance zu verlieren, liegt bei 19/37. Acht Verluste hintereinander treten mit rund 0,48 % auf, also etwa einmal in 207 Serien. Das klingt selten, doch wer an einem Abend hundert Serien spielt, erlebt mindestens eine solche Strecke mit einer Wahrscheinlichkeit von gut 38 %.
Dann greift das Tischlimit.
Jeder Roulettetisch hat einen Mindest- und einen Höchsteinsatz, online wie im Casino vor Ort. Die konkreten Werte unterscheiden sich je nach Tisch und stehen in den Tischregeln, eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Ein Rechenbeispiel: Bei 1 Franken Minimum und 500 Franken Maximum sind nur neun Einsätze möglich, nämlich 1 bis 256 Franken; der zehnte Einsatz von 512 Franken ist nicht mehr erlaubt. Rechnet man die auf acht Runden begrenzte Serie durch, ergibt sich ein Erwartungswert von etwa minus 0,24 Einheiten pro Serie. Das ist dieselbe Bankmarge, nur anders verpackt: Sie verlieren sie selten, dann aber auf einen Schlag.
Das Risiko einer Martingale-Serie selbst berechnen
Mit diesen sechs Schritten rechnen Sie vor dem Spiel aus, wie weit Ihr Budget reicht und wie wahrscheinlich der Totalverlust einer Serie ist. Mehr als ein Taschenrechner ist nicht nötig.
- Schritt 1
Grundeinheit und Gesamtbudget klar festlegen
Notieren Sie, mit welchem Betrag eine Serie beginnt und wie viel Geld Sie insgesamt einsetzen wollen. Beides gehört vor die erste Runde, nicht danach, wenn eine Verlustserie bereits läuft. - Schritt 2
Tischlimit in den Regeln nachlesen
Suchen Sie in den Tischregeln den Höchsteinsatz für einfache Chancen. Teilen Sie ihn durch die Grundeinheit. Das Ergebnis zeigt, wie viele Verdopplungen der Tisch überhaupt zulässt. - Schritt 3
Maximale Anzahl Runden pro Serie bestimmen
Zählen Sie, wie oft Sie verdoppeln können, bis entweder das Limit oder Ihr Budget erreicht ist. Der kleinere der beiden Werte begrenzt Ihre Serie, und genau dort endet jede Serie. - Schritt 4
Verlust bei verlorener Serie ausrechnen
Bei n Runden beträgt der Gesamtverlust die Grundeinheit mal (2 hoch n minus 1). Mit 5 Franken und acht Runden sind das 5 mal 255, also 1275 Franken. - Schritt 5
Wahrscheinlichkeit der gesamten Verlustserie berechnen
Rechnen Sie 19/37, also 0,5135, hoch n. Für acht Runden ergibt das rund 0,0048 oder 0,48 %. Zero zählt dabei als Verlust, weil sie Rot und Schwarz gleichermassen schlägt. - Schritt 6
Gewinn und Verlust gegeneinander abwägen
Multiplizieren Sie die Gewinnchance der Serie mit einer Einheit und ziehen Sie den Verlust mal seine Wahrscheinlichkeit ab. Das Ergebnis bleibt negativ, egal welche Zahlen Sie einsetzen.
Was gegen den Hausvorteil wirklich hilft
Kein Einsatzsystem senkt den Hausvorteil. Das gilt für die Martingale ebenso wie für die umgekehrte Paroli-Variante, die nach Gewinnen statt nach Verlusten verdoppelt. Wer mit «garantiertem Profit» wirbt, verkauft eine Verteilung von Ergebnissen, keinen Vorteil.
Was den Verlust tatsächlich verändert, ist die Spielvariante. Amerikanisches Roulette mit Doppelzero hat einen Hausvorteil von 5,26 %, fast doppelt so viel wie das europäische Rad mit 2,7 %. Manche Tische wenden auf einfachen Chancen die La-Partage- oder En-Prison-Regel an: Fällt die Zero, verlieren Sie nur den halben Einsatz, und die Marge sinkt dort auf rund 1,35 %. Ob ein Tisch diese Regel führt, steht in seinen Spielregeln.
Ebenso wichtig ist, wo gespielt wird.
In der Schweiz dürfen nur Spielbanken mit Konzession Casinospiele wie Roulette online anbieten, und dafür brauchen sie eine Konzessionserweiterung des Bundesrats sowie eine Bewilligung der Eidgenössischen Spielbankenkommission ESBK. Die ESBK führt eine öffentliche Liste der bewilligten Online-Spielbanken und eine Sperrliste für nicht bewilligte Angebote. Ein Blick auf diese Liste klärt, ob ein Anbieter legal ist. Auf welche Farbe die nächste Kugel fällt, beantwortet dieser Guide ausdrücklich nicht: Dafür gibt es keine Methode.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen zur Martingale beim Roulette
Funktioniert die Martingale beim Roulette auf lange Sicht?
Nein. Jede Runde trägt den Hausvorteil von 2,7 % beim europäischen Roulette. Die Verdopplung verteilt die Verluste nur anders: viele kleine Gewinne, selten ein sehr grosser Verlust.
Ist die Martingale-Strategie in Schweizer Casinos erlaubt?
Einsatzsysteme sind in der Regel nicht verboten, solange Sie innerhalb der Tischlimits bleiben. Spielen Sie online nur bei Spielbanken, die auf der Liste der ESBK als bewilligt geführt werden.
Wie hoch ist der Verlust nach acht verlorenen Runden?
Mit 5 Franken Grundeinheit sind nach acht Verlusten 1275 Franken weg. Der nächste Einsatz müsste 1280 Franken betragen, um am Ende 5 Franken Gewinn zu erzielen.
Warum zählt die Zero bei der Martingale so stark?
Die Zero gehört weder zu Rot noch zu Schwarz. Dadurch liegt die Gewinnchance einer einfachen Chance bei 48,65 % statt 50 %, und genau diese Differenz ist die Marge der Bank.
Hilft die Martingale mit La-Partage-Regel?
Die Regel senkt den Hausvorteil auf einfachen Chancen auf rund 1,35 %. Das macht das Spiel günstiger, die Martingale bleibt aber negativ und scheitert weiterhin am Tischlimit.
Gibt es eine Strategie, die beim Roulette sicher gewinnt?
Nein, und wir geben auch keine Tipps auf Farben oder Zahlen. Die Kugel hat kein Gedächtnis, jede Runde ist unabhängig, und der Hausvorteil bleibt über beliebig viele Einsätze bestehen.
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Was wir bei solchen Vergleichen zuerst prüfen, ist die erste Zeile. Beide Varianten verlieren pro gesetztem Franken gleich viel an die Bank. Die Martingale gewinnt öfter, zahlt dafür aber mit seltenen, sehr teuren Serien. Wer nur die gewonnenen Runden zählt, sieht das Minus erst, wenn es da ist.