Online-Poker: Definition

Dominik Studer
Zuletzt aktualisiert am 22. Juli 2026, 15:13
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Online-Poker ist Poker, das über eine Internetplattform um Geld gespielt wird, wobei die Teilnehmenden gegeneinander antreten und der Betreiber für das Ausrichten der Partie eine Gebühr erhebt, den sogenannten Rake.

Darin liegt der Unterschied zu fast allen anderen Casinospielen: Gewinn und Verlust entstehen zwischen den Spielenden, nicht gegenüber dem Haus. In der Schweiz dürfen nur konzessionierte Spielbanken mit Sitz im Inland Online-Poker anbieten, und zwar erst nach einer Konzessionserweiterung durch den Bundesrat und mit Spielbewilligungen der ESBK.

Online-Poker

Wie der Betreiber am Online-Poker verdient

Weil das Haus beim Online-Poker keine Hand gegen die Spielenden hält, verdient es über Gebühren. Im Cash Game, also am Tisch mit konstanten Blinds und freiem Ein- und Ausstieg, behält die Plattform einen Prozentsatz jedes Pots ein.

Üblich sind Sätze zwischen 2,5 und 10 Prozent des Pots, wobei viele Pokerräume im Internet näher bei 5 Prozent liegen. Fast immer gilt zusätzlich ein Cap, eine feste Obergrenze pro Hand, ab der kein weiterer Rake anfällt, egal wie gross der Pot noch wird. Manche Räume erheben die Gebühr erst, wenn eine Hand den Flop erreicht; die Regel heisst «no flop, no drop». Satz, Cap und Ausnahmen legt jeder Betreiber selbst fest, einen verbindlichen Branchenstandard gibt es nicht.

Ein Rechenbeispiel mit runden Zahlen: Bei 5 Prozent Rake und einem Pot von 200 Franken gingen 10 Franken an den Betreiber, bei einem Cap von 6 Franken sind es nur 6.

Im Turnier steckt die Gebühr im Buy-in, dem Startgeld, und wird meist getrennt vom Anteil für den Preispool ausgewiesen.

Warum hier keine RTP steht

Bei Slots oder Roulette beschreibt die RTP, welcher Anteil der Einsätze langfristig an die Spielenden zurückfliesst, und dasselbe Spiel kann in mehreren zertifizierten Versionen mit unterschiedlicher Quote laufen. Beim Poker zwischen Spielenden existiert keine solche Zahl, weil das Ergebnis von den Entscheidungen am Tisch abhängt. Die vergleichbare Kennzahl ist der Rake, und was ich zuerst nachsehe, ist, ob ein Anbieter Satz und Cap pro Limit offen in seinen Regeln publiziert.

Online-Poker oder Casino-Poker: der häufigste Irrtum

Der häufigste Irrtum betrifft den Namen. In vielen Casino-Lobbys erscheinen unter «Poker» Spiele wie Casino Hold’em oder Video-Poker, bei denen keine anderen Personen am Tisch sitzen und jede Hand gegen den Dealer oder einen Automaten läuft.

Diese Varianten sind Bankhalterspiele mit festem Hausvorteil und publizierter RTP, vergleichbar mit Blackjack. Online-Poker im eigentlichen Sinn findet dagegen in einem Pokerraum statt, mit eigener Lobby für Cash Games und Turniere, und der Betreiber verdient am Rake statt an verlorenen Einsätzen.

Für die Einordnung eines Angebots genügt meist der Blick darauf, ob am Tisch weitere Spielernamen erscheinen.

Auch die Grösse des Angebots sagt wenig über seine Qualität aus. Entscheidend ist die Liquidität, also wie viele Tische zu einem bestimmten Limit tatsächlich besetzt sind; ein Raum mit vollem Turnierkalender kann zu einzelnen Tageszeiten trotzdem leer bleiben. Einige Schweizer Anbieter sind deshalb an internationale Netzwerke angeschlossen, Swiss Casinos etwa nach eigener Angabe an das iPoker-Netzwerk von Playtech.

Rechtlicher Rahmen für Online-Poker in der Schweiz

Seit dem 1. Januar 2019 regelt das Geldspielgesetz (BGS) auch das Online-Poker. Poker gilt darin als Spielbankenspiel, das nur eine Schweizer Spielbank mit erweiterter Konzession online anbieten darf; ein reines Online-Casino ohne landbasierte Spielbank ist nicht zulässig.

Neben der Konzessionserweiterung durch den Bundesrat braucht jede Spielbank Spielbewilligungen der ESBK, bevor sie den Online-Betrieb aufnehmen kann. Die Geldspielverordnung erlaubt der ESBK zudem, einer Spielbank für Online-Poker die Zusammenarbeit mit einer anderen konzessionierten Spielbank oder mit einer ausländischen Veranstalterin zu gestatten, sofern eine hinreichende Aufsicht über das Spiel gewährleistet ist. Diese Regel hat praktisches Gewicht, weil ein Pokerraum nur mit genügend Teilnehmenden funktioniert und der Schweizer Markt allein klein ist. Die Anbindung an internationale Plattformen bezeichnete die ESBK gegenüber der NZZ als technisch deutlich aufwendiger als bei anderen Online-Spielen, was die ersten Bewilligungen verzögerte.

Ausländische Angebote ohne Schweizer Bewilligung werden über Netzsperren blockiert, welche die Schweizer Internetanbieter umsetzen müssen; die ESBK veröffentlicht dazu eine Sperrliste.

Wer trotzdem dort spielt, macht sich laut ESBK nicht strafbar, tut dies aber auf eigene Gefahr. Kleine Pokerturniere ausserhalb von Spielbanken mit einem Einsatz von höchstens 200 Franken sind ein eigenes, landbasiertes Format und gehören nicht zum Online-Poker.

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