Den Ablauf einer Poker-Hand online verstehen
Diese Anleitung zeigt, wie eine Hand Texas Hold’em online abläuft, vom Setzen der Blinds bis zur Verteilung des Pots. Sie richtet sich an Einsteigerinnen und Einsteiger, die die Reihenfolge am virtuellen Tisch verstehen wollen, bevor sie eine Pokersoftware öffnen.
Wir erklären zuerst die Mechanik der vier Setzrunden, danach die Schaltflächen im Client und den Unterschied zwischen Cash Game und Turnier. Zum Schluss ordnen wir ein, wer in der Schweiz Poker online legal durchführen darf; diese Angaben haben wir bei der Eidgenössischen Spielbankenkommission ESBK geprüft. Strategietipps enthält die Seite bewusst keine.

Vom Blind bis zum Showdown: die Mechanik
Texas Hold’em ist die Pokervariante, die Online-Pokerräume in den meisten Fällen als Standard führen, und ihr Ablauf folgt festen Regeln. Ein Marker namens Button, also die Dealer-Position, wandert nach jeder Hand einen Platz im Uhrzeigersinn weiter. Er bestimmt, wer die Pflichteinsätze leistet und wer in welcher Runde zuerst handelt.
Links vom Button setzt der Small Blind, ein Zwangseinsatz in Höhe des halben Mindesteinsatzes. Der Spieler daneben setzt den Big Blind, der dem vollen Mindesteinsatz entspricht. An einem Tisch mit dem Limit 1/2 betragen die Blinds also 1 und 2 Einheiten.
Danach erhält jeder Platz zwei verdeckte Karten, die sogenannten Hole Cards.
Im Verlauf der Hand legt die Software bis zu fünf offene Gemeinschaftskarten in die Tischmitte, die alle verbleibenden Spieler nutzen dürfen. Gewertet wird am Ende die beste Kombination aus fünf Karten, gebildet aus beliebigen der zwei eigenen und der fünf gemeinsamen Karten. Zwischen den Kartenausgaben liegen bis zu vier Setzrunden. Geben in einer Runde alle bis auf einen Spieler auf, gewinnt dieser den Pot sofort und muss seine Karten nicht zeigen.
Die vier Setzrunden in ihrer Reihenfolge
Die folgenden Schritte zeigen, in welcher Reihenfolge die Karten ausgegeben werden und wer jeweils zuerst handelt. Die Positionen gelten für einen Tisch mit mehr als zwei Spielern; im Heads-up, also im Duell zu zweit, kehrt sich die Reihenfolge teilweise um.
- Schritt 1
Preflop: Setzrunde nach den Hole Cards
Nach Ausgabe der zwei verdeckten Karten handelt zuerst der Platz links vom Big Blind. Jeder Spieler kann den Big Blind bezahlen oder erhöhen; wer keines davon will, legt die Karten weg. Der Big Blind entscheidet zuletzt und darf ohne Erhöhung checken. - Schritt 2
Flop: drei Gemeinschaftskarten liegen offen
Die Software deckt drei Karten in der Tischmitte auf. Ab jetzt beginnt der erste aktive Spieler links vom Button, meist also der Small Blind. Liegt noch kein Einsatz vor, ist Checken erlaubt, und der Button handelt zuletzt. - Schritt 3
Turn: die vierte Karte folgt
Eine vierte Gemeinschaftskarte kommt dazu, danach läuft die dritte Setzrunde in derselben Reihenfolge wie am Flop. Im Fixed Limit verdoppelt sich ab hier die feste Einsatzgrösse, im No-Limit darf jederzeit bis zum ganzen Stack gesetzt werden. - Schritt 4
River und Showdown entscheiden den Pot
Nach der fünften Karte folgt die letzte Setzrunde. Bleiben danach mindestens zwei Spieler übrig, zeigt zuerst, wer zuletzt gesetzt oder erhöht hat. Die beste Fünf-Karten-Hand gewinnt, bei Gleichstand wird der Pot geteilt.
Aktionen am Tisch und was der Client anzeigt
In jeder Setzrunde stehen dieselben Grundaktionen zur Wahl, und der Client blendet nur die gerade zulässigen ein. Liegt noch kein Einsatz vor, gibt es Check, also Schieben ohne Einsatz, oder Bet, den ersten Einsatz der Runde. Hat jemand gesetzt, lässt sich mitgehen (Call) oder erhöhen (Raise); wer beides nicht will, gibt mit Fold auf.
All-in bedeutet, den gesamten verbleibenden Stack zu setzen. Reicht der Stack nicht für einen vollen Call, entsteht ein Side Pot, um den nur die Spieler mit genügend Chips weiterspielen.
Zeitlimit und Vorwahl-Schaltflächen
Für jede Entscheidung läuft ein Timer, dessen Dauer der Anbieter festlegt und der je nach Tischtyp variiert. Läuft er ab, wertet die Software das in den meisten Fällen als Check oder, falls ein Einsatz offen ist, als Fold. Vorwahl-Schaltflächen wie «Check/Fold» führen eine Aktion automatisch aus, sobald der eigene Platz an der Reihe ist.
Auf dem Handy ist das eine typische Fehlerquelle.
Kleine Bildschirme legen die Vorwahl-Felder nahe an die eigentlichen Aktionsknöpfe, und ein verspäteter Tipp nach einer Änderung am Tisch löst dann eine Aktion aus, die so nicht gemeint war. Bricht die Verbindung ab, greift typischerweise zuerst der Timer und danach eine Regel für getrennte Spieler, die in den Bedingungen des Anbieters steht. Diese Regel ist vor der ersten Hand lesenswert, weil sie je nach Pokerraum unterschiedlich ausfällt.
Cash Game oder Turnier für den Einstieg
Der Ablauf einer Hand ist in beiden Formaten identisch, die Rahmenbedingungen unterscheiden sich aber deutlich. Die Wertung in diesem Vergleich bezieht sich allein darauf, welches Format die Mechanik übersichtlicher vermittelt.
Cash Game | Turnier |
|---|---|
| Blinds bleiben über die ganze Sitzung gleich | Blinds steigen in festen Zeitstufen |
| Chips entsprechen direkt dem eingesetzten Geld | Turnierchips haben keinen direkten Geldwert |
| Einstieg und Ausstieg nach jeder Hand möglich | Teilnahme dauert bis zum Ausscheiden oder Sieg |
| Gebühr als Rake, ein Anteil aus jedem Pot | Gebühr fix im Buy-in, Verlust auf Buy-in begrenzt |
Poker online in der Schweiz: wer es anbieten darf
Wir haben die Rechtslage bei der Eidgenössischen Spielbankenkommission ESBK nachgelesen. Das Geldspielgesetz ist seit dem 1. Januar 2019 in Kraft und erlaubt Schweizer Spielbanken, ihre Spiele auch online anzubieten, darunter Poker. Dafür brauchen sie eine Konzessionserweiterung des Bundesrats und zusätzlich eine Bewilligung der ESBK für jedes einzelne Spiel.
Ob ein Angebot bewilligt ist, zeigt die Liste der Online-Spielbanken auf der Website der ESBK. Fehlt eine Seite dort, ist ihr Spielangebot in der Schweiz nicht bewilligt, und das Gesetz sieht für solche Angebote eine Zugangssperre vor. Wer trotzdem dort spielt, macht sich nach Auskunft der ESBK nicht strafbar, trägt das Risiko aber selbst.
Kleine Pokerturniere ausserhalb von Spielbanken sind möglich, benötigen aber eine Bewilligung des jeweiligen Kantons.
Poker gegen Mitspieler oder gegen das Haus
Im Spielangebot eines Online-Casinos stehen oft Varianten wie Casino Hold’em oder Video Poker, die gegen die Bank laufen und nicht gegen andere Spieler. Dort gilt eine Auszahlungsquote, der RTP, und ein und dasselbe Spiel kann in mehreren zertifizierten Versionen mit unterschiedlichem RTP laufen. Beim klassischen Poker zwischen Spielern gibt es keinen RTP: Der Anbieter verdient am Rake oder an der Turniergebühr, und das Ergebnis hängt vom Spiel der Gegner ab. Für das Lernen des hier beschriebenen Ablaufs sind deshalb nur Tische mit anderen Spielern massgebend.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen zum Ablauf einer Poker-Hand
Wie viele Karten erhält jeder Spieler beim Texas Hold'em?
Jeder Spieler erhält zwei verdeckte Hole Cards. Dazu kommen im Verlauf der Hand bis zu fünf offene Gemeinschaftskarten, aus denen die beste Fünf-Karten-Hand gebildet wird.
Wer muss vor der Kartenausgabe setzen?
Die zwei Plätze links vom Button leisten Pflichteinsätze: zuerst der Small Blind mit dem halben, danach der Big Blind mit dem vollen Mindesteinsatz. Der Button wandert nach jeder Hand weiter.
Wer handelt nach dem Flop zuerst?
Ab dem Flop beginnt der erste noch aktive Spieler links vom Button, in der Regel der Small Blind. Der Button handelt in diesen Runden jeweils zuletzt.
Wer zeigt beim Showdown zuerst seine Karten?
Zuerst zeigt, wer in der letzten Setzrunde zuletzt gesetzt oder erhöht hat. Gab es am River keinen Einsatz, beginnt der erste aktive Spieler links vom Button.
Ist Online-Poker in der Schweiz legal?
Ja, wenn eine Schweizer Spielbank es mit Konzessionserweiterung des Bundesrats und Spielbewilligung der ESBK anbietet. Welche Anbieter das sind, zeigt die Liste der Online-Spielbanken auf der Website der ESBK.
Gibt es beim Online-Poker einen RTP?
Beim Poker zwischen Spielern nicht, denn der Anbieter verdient am Rake oder an der Turniergebühr. Einen RTP haben Varianten gegen das Haus wie Casino Hold’em, oft in mehreren Versionen.
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Was wir beim Lesen von Regelseiten zuerst prüfen, ist die Angabe zur Reihenfolge ab dem Flop. Häufig wird die Preflop-Reihenfolge auf die späteren Runden übertragen, und genau dort entstehen die meisten Missverständnisse. Die Software verhindert zwar Züge ausser der Reihe, erklärt den Wechsel aber selten.