Asiatisches Handicap: Begriff erklärt

Arben Gashi
Zuletzt aktualisiert am 14. August 2026, 15:24
  • Strategie
  • Umsatzbedingungen

Das asiatische Handicap ist eine Zweiweg-Wette, bei der ein Team vor Spielbeginn einen fiktiven Tor-Vorsprung oder -Rückstand in ganzen, halben oder Viertel-Toren erhält, sodass das Unentschieden als eigener Ausgang wegfällt. Endet das Spiel nach Verrechnung des Handicaps ausgeglichen, erhalten Sie den Einsatz zurück. Bei Viertel-Linien wird der Einsatz zu gleichen Teilen auf die zwei benachbarten Linien aufgeteilt. Daraus entstehen halbe Gewinne und halbe Verluste, die man beim ersten Lesen leicht übersieht.

Asiatisches Handicap

So rechnet das asiatische Handicap

Die Rechnung ist immer dieselbe: Das Handicap wird zum Tor-Ergebnis des gewählten Teams addiert, danach wird das angepasste Resultat verglichen. Wer auf Team A -1 setzt, zieht Team A also ein Tor ab und schaut, wer dann vorne liegt.

Ganze und halbe Linien

Bei einer ganzen Linie wie -1 gewinnt die Wette mit einem Sieg um zwei oder mehr Tore. Bei genau einem Tor Differenz steht es nach Handicap unentschieden, und der Einsatz kommt als Push zurück. Halbe Linien wie -0,5 oder +1,5 kennen dagegen keinen Push, weil ein halbes Tor nie ausgeglichen werden kann.

Team A -0,5 ist rechnerisch nichts anderes als eine Siegwette auf Team A.

Viertel-Linien mit Beispiel

Eine Linie auf,25 oder,75 ist in Wahrheit zwei Wetten in einem Schein. Team A -0,75 bedeutet: die Hälfte des Einsatzes auf -0,5, die andere Hälfte auf -1. Setzen Sie CHF 100 zur Quote 2,00, ergibt ein Sieg mit zwei Toren Unterschied CHF 200 Auszahlung. Gewinnt Team A mit genau einem Tor, gewinnt die -0,5-Hälfte CHF 100, während die -1-Hälfte mit CHF 50 erstattet wird, zusammen also CHF 150. Bei einem Remis oder einer Niederlage sind beide Hälften und damit die ganzen CHF 100 verloren.

Umgekehrt funktioniert Team A -0,25: Bei einem Remis kommt die Hälfte auf der Linie 0 zurück, die Hälfte auf -0,5 ist verloren.

Wo Sie dem asiatischen Handicap begegnen

In der Praxis begegnet das asiatische Handicap vor allem im Fussball, als Markt neben 1X2 und Über/Unter. Die Schreibweise ist dabei nicht einheitlich. Dieselbe Viertel-Linie erscheint bei einem Anbieter als -0,25, bei einem anderen als «0/-0,5» oder als «0:0,25», wie es auch in deutschsprachigen Nachschlagewerken dokumentiert ist.

Auch das Angebot unterscheidet sich: Ein Markt mit der Bezeichnung «Handicap» ist nicht automatisch asiatisch, und welche Linien ein Anbieter überhaupt führt, ist von Haus zu Haus verschieden. Das gilt für Sporttip und Jouez Sport ebenso wie für Anbieter mit Lizenz aus dem Ausland. Was ich zuerst prüfe, ist darum, ob die Wettregeln einen Push bei ganzen Linien ausdrücklich vorsehen oder ob es sich um ein Dreiweg-Handicap handelt.

Die Marge verschwindet durch die Rückerstattung nicht. Stehen beide Seiten bei 1,95, ergibt 1/1,95 + 1/1,95 rund 1,026, der Buchmacher behält also etwa 2,6 Prozent des Umsatzes ein. Das ist knapper als in vielen 1X2-Märkten, aber über Hunderte Wetten bleibt dieser Abzug bestehen, ganz gleich, wie oft ein Werbetext von «Value» spricht.

Tipps zu einzelnen Spielen oder Linien gibt es auf dieser Seite bewusst keine.

Asiatisches und europäisches Handicap im Vergleich

Das europäische Handicap arbeitet ebenfalls mit einem fiktiven Vorsprung, behält aber das Unentschieden als dritten Ausgang. Die Gegenüberstellung zeigt, wo sich die beiden Märkte bei der Abrechnung trennen.

Asiatisches Handicap

Europäisches Handicap

Zwei Ausgänge, Remis entfälltDrei Ausgänge inklusive Handicap-Remis
Push bei ganzen LinienKeine Rückerstattung des Einsatzes
Ganze, halbe und Viertel-LinienNur ganze Tore als Handicap
Abrechnung bei Viertel-Linien anspruchsvollAbrechnung auf einen Blick lesbar
Buchmachermarge in jeder QuoteBuchmachermarge in jeder Quote

Womit das asiatische Handicap verwechselt wird

Die häufigste Verwechslung betrifft die Linie 0. Asiatisches Handicap 0 entspricht der Wette «Draw No Bet»: Gewinnt das Team, gewinnt die Wette, bei einem Remis kommt der Einsatz zurück. Wer das weiss, vergleicht die Quoten beider Märkte direkt miteinander.

Ein zweites Missverständnis: Eine Viertel-Linie bedeutet kein Viertel-Tor auf dem Spielfeld, sondern eine Aufteilung des Einsatzes.

Bei Live-Wetten weicht die Praxis zwischen Anbietern ab. Einige rechnen asiatische Linien im Live-Markt nur mit den Toren ab, die nach der Wettabgabe fallen, andere werten das Endresultat des ganzen Spiels. Steht dazu nichts in den Wettregeln, lohnt sich die Rückfrage beim Support, bevor Geld auf dem Schein liegt. Auch beim Cash-out wird ein Viertel-Handicap als eine Wette behandelt, obwohl intern zwei Hälften abgerechnet werden.

Schliesslich gleicht der Point Spread im Basketball dem Prinzip nach einem halben oder ganzen asiatischen Handicap, nur in Punkten statt Toren.

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