Bankroll beim Wetten
Die Bankroll ist der Geldbetrag, den eine Spielerin ausschliesslich für Wetten oder Casinospiele reserviert hat und dessen vollständigen Verlust sie verkraften kann, ohne dass Miete, Rechnungen oder Ersparnisse betroffen sind. Aus dieser Summe leitet sich ab, wie hoch ein einzelner Einsatz sein darf. Wer die Bankroll kennt, plant Einsätze als Anteil davon und nicht nach Gefühl. Eine Methode, die den Hausvorteil oder die Marge des Buchmachers aufhebt, ist sie allerdings nicht, und genau das wird in der Werbung gerne verschwiegen.

So wird die Bankroll in Einsätze umgerechnet
Am Anfang steht eine einfache Entscheidung: Welcher Betrag darf ganz verloren gehen? Diese Zahl ist die Bankroll, und sie wird getrennt vom übrigen Geld geführt, am saubersten auf einem eigenen Wettkonto.
Daraus entsteht die Einheit, im Wettjargon oft «Unit» genannt. In deutschsprachigen Ratgebern werden meist 1 bis 5 Prozent der Bankroll pro Wette genannt, häufig auch enger 1 bis 3 Prozent. Einen verbindlichen Standard gibt es nicht; die Spanne ist eine Faustregel aus der Praxis.
Ein Rechenbeispiel zeigt den Unterschied zwischen den Modellen. Bei einer Bankroll von CHF 1000 und 2 Prozent pro Wette beträgt der Einsatz CHF 20. Beim festen Einsatz bleibt es bei CHF 20, bis die Bankroll neu festgelegt wird. Beim Prozentmodell wird nach jeder Wette neu gerechnet: Nach einem Verlust auf CHF 980 sind es noch CHF 19.60, nach einer Serie von Verlusten entsprechend weniger, sodass die Bankroll rechnerisch nie ganz auf null fällt.
Die Kelly-Formel
Mathematisch präziser ist das Kelly-Kriterium. Die Formel lautet f = (b × p – q) / b, wobei b die Dezimalquote minus 1 ist, p die geschätzte Gewinnwahrscheinlichkeit und q = 1 – p.
Bei einer Quote von 3,00 und einer geschätzten Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent ergibt sich f = (2 × 0,40 – 0,60) / 2 = 0,10, also 10 Prozent der Bankroll.
Der Haken liegt in p. Die Formel setzt eine Wahrscheinlichkeit voraus, die genauer ist als jene des Buchmachers, und wer sich dabei überschätzt, setzt systematisch zu viel. Viele Anwender nutzen deshalb nur einen Bruchteil des Ergebnisses, etwa die Hälfte. Ist f null oder negativ, sagt Kelly klar: keine Wette.
Wo die Bankroll im Spielerkonto auftaucht
Im Konto selbst steht nirgends das Wort Bankroll. Sichtbar wird sie über die Werkzeuge, mit denen Schweizer Anbieter das Spielbudget begrenzen lassen.
Die Schweizer Casinos beschreiben auf ihrer Spielerschutzseite Einzahlungs- und Verlustlimiten, die täglich, wöchentlich oder monatlich gelten können. Eine Senkung greift sofort, eine Erhöhung erst nach 24 Stunden. Diese Verzögerung ist bewusst gewählt, denn sie bremst genau den Moment, in dem jemand nach einem Verlust die eigene Grenze verschieben will.
Wer die Bankroll als Monatsbetrag definiert, kann sie direkt als monatliche Einzahlungslimite hinterlegen.
Daneben gibt es eine gesetzliche Ebene, die mit der privaten Planung wenig zu tun hat, aber dieselbe Frage stellt. Laut der Eidgenössischen Spielbankenkommission müssen Spielbanken und Veranstalter von online betriebenen Grossspielen Personen sperren, von denen sie wissen, dass ihre Einsätze in keinem Verhältnis zu Einkommen und Vermögen stehen. Was die Bankroll im Kleinen regelt, prüft der Sozialschutz also im Grossen: ob das eingesetzte Geld zum Leben der Person passt.
Womit die Bankroll oft verwechselt wird
Die häufigste Verwechslung ist jene mit dem Kontostand. Bonusguthaben mit offenen Wagering-Bedingungen oder Freiwetten sehen im Konto aus wie Geld, lassen sich aber erst nach Erfüllung der Bedingungen auszahlen. Zur Bankroll zählt nur, was tatsächlich Ihnen gehört.
Ebenso oft wird die Bankroll mit einer Gewinnstrategie verwechselt.
Sie bestimmt, wie lange ein Budget hält, nicht ob es wächst. Die Marge eines Buchmachers lässt sich leicht vorrechnen: Bei zwei Ausgängen mit je 1,90 ergibt 1/1,90 + 1/1,90 rund 1,053, der Anbieter behält also gut 5 Prozent. Beim europäischen Roulette mit einer Null liegt der Hausvorteil bei 1/37, rund 2,7 Prozent. Diese Prozentsätze wirken auf jeden Einsatz, egal ob er 1 oder 5 Prozent der Bankroll beträgt, und über viele Wetten bleiben sie bestehen.
Was ich bei Ratgebern zuerst prüfe, ist, ob sie Bankroll-Management mit «Value» verkaufen. Ein kleiner Einsatz verlängert die Spielzeit, doch er verwandelt keine negative Erwartung in eine positive. Tipps auf einzelne Spiele oder Resultate gibt es auf dieser Seite deshalb nicht, auch nicht als Beispiel.
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