Inaktives Casino-Konto: So retten Sie Ihr Guthaben

Martina Wyss
| Faktengeprüft von: , Spezialist Zahlungen & Auszahlungen
Zuletzt aktualisiert am 11. September 2026, 16:52
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Ein Spielerkonto, das jahrelang unberührt bleibt, verschwindet in der Schweiz nicht einfach mitsamt Ihrem Geld. Die Geldspielverordnung legt fest, wann ein Konto aufgelöst wird und wohin ein Restguthaben fliesst. Dieser Ratgeber erklärt die Fristen, trennt echtes Guthaben von Bonusguthaben und führt Schritt für Schritt durch die Rückforderung. Er richtet sich an Spielerinnen und Spieler, die ein altes Konto wiederentdeckt haben oder vor einer längeren Pause wissen möchten, was mit ihrem Saldo geschieht. Wir haben dafür den Verordnungstext und die publizierten AGB zweier Schweizer Anbieter gelesen.

Inaktives Casino-Konto: Guthaben retten

Was die Geldspielverordnung bei Inaktivität regelt

Massgebend ist Artikel 51 der Verordnung über Geldspiele, kurz VGS. Er verpflichtet jede Veranstalterin, ein Spielerkonto aufzulösen, wenn es während mehr als zwei Jahren inaktiv war. Ein vorhandenes Guthaben wird dann auf ein Zahlungskonto überwiesen, das auf Ihren Namen lautet.

Das klingt streng, ist für Sie aber in erster Linie ein Schutz.

Die Verordnung erlaubt der Veranstalterin nämlich nicht, das Geld zu behalten. Scheitert die Überweisung, weil Ihre Kontoangaben nicht mehr gültig sind, muss sie mit zumutbarem Aufwand versuchen, Sie zu erreichen. Gelingt das nicht, hält sie das Guthaben während weiterer zwei Jahre für Sie bereit. Erst danach geht der Betrag bei einer Spielbank an den AHV-Ausgleichsfonds, bei Veranstalterinnen von Grossspielen an gemeinnützige Zwecke. Absatz 4 verlangt zudem, dass die Anbieter transparent über die Folgen längerer Inaktivität informieren, was in der Praxis eine eigene Klausel in den AGB bedeutet.

Was als inaktiv gilt

Die Verordnung definiert den Begriff nicht im Detail, das übernehmen die Anbieter in ihren Bedingungen. Die AGB von mycasino.ch nennen als Massstab insbesondere das Fehlen von Zahlungs- und Spieltransaktionen. Casineo stuft ein Konto bereits nach sechs Monaten ohne Nutzung als inaktiv ein und kündigt an, Sie dann zu kontaktieren. Ob ein blosser Login als Aktivität zählt, steht deshalb in der Klausel Ihres Anbieters und nicht im Gesetz.

Fristen und Folgen auf einen Blick

SituationFristFolge fürs GuthabenGrundlage
Keine Nutzung (Beispiel Casineo)6 MonateKonto gilt als inaktiv, KontaktaufnahmeAGB Casineo
Keine Zahlungs- oder SpieltransaktionenMehr als 2 JahreAuflösung, Überweisung aufs ZahlungskontoArt. 51 Abs. 1 und 2 VGS
Kontoangaben ungültig, kein KontaktWeitere 2 JahreGuthaben bleibt reserviertArt. 51 Abs. 3 VGS
Reservefrist abgelaufen, SpielbankNach FristablaufÜberweisung an AHV-AusgleichsfondsArt. 51 Abs. 3 VGS
Bonus- oder GratisspielguthabenKeineKein Teil des auszahlbaren SaldosArt. 50 Abs. 3 VGS
Auszahlungswunsch der KundinJederzeitAktivsaldo ganz oder teilweise auszahlbarArt. 50 Abs. 3 VGS
Expertenkommentar

Was wir zuerst prüfen, ist die Zeile zum Bonusguthaben. Es zählt nicht zum Aktivsaldo und verfällt bei der Auflösung. Bei CHF 120 Echtgeld und CHF 80 Bonus fliessen am Ende CHF 120 zurück, nicht CHF 200. Wer vor einer Pause selbst auszahlt, entscheidet wenigstens bewusst, worauf er verzichtet.

Schweizer Konzession gegenüber Auslandslizenz

Die Regeln aus Artikel 51 VGS gelten für Veranstalterinnen, die in der Schweiz bewilligt sind. Online-Casinospiele dürfen hierzulande nur Spielbanken anbieten, die vom Bundesrat eine Konzessionserweiterung und von der ESBK eine Bewilligung erhalten haben. Anbieter ohne diese Bewilligung landen auf der Sperrliste der ESBK, und die Schweizer Fernmeldedienstanbieterinnen müssen den Zugang technisch sperren.

Für ein altes Konto bei einem solchen Anbieter heisst das zweierlei.

Erstens greift der Schutz der VGS nicht, massgebend sind allein dessen AGB. Bei Anbietern mit Auslandslizenz finden sich typischerweise Klauseln, die nach rund zwölf Monaten Inaktivität eine monatliche Verwaltungsgebühr vom Saldo abziehen, bis dieser auf null steht. Zweitens erreichen Sie die Website aus der Schweiz oft gar nicht mehr, weil die Domain gesperrt ist.

Wie gross der Unterschied sein kann, zeigt eine einfache Rechnung mit angenommenen Werten. Sie haben CHF 300 Restguthaben, die Gebühr beträgt CHF 10 pro Monat ab dem 13. Monat. CHF 300 geteilt durch CHF 10 ergibt 30 Monate, zusammen mit dem gebührenfreien Jahr also 42 Monate. Nach dreieinhalb Jahren ist das Konto leer. Bei einer Schweizer Spielbank wäre derselbe Betrag nach gut zwei Jahren ungekürzt auf Ihrem Bankkonto gelandet.

Wo Ihr Restguthaben besser geschützt ist

Die Gegenüberstellung beruht für Schweizer Spielbanken auf dem Wortlaut der VGS. Für Anbieter ohne Schweizer Bewilligung beschreibt sie die verbreitete Praxis, nicht die Klausel eines bestimmten Hauses.

Schweizer Spielbank online

Anbieter ohne Schweizer Bewilligung

Auflösung nach mehr als zwei Jahren Inaktivität, Guthaben geht auf Ihr ZahlungskontoFrist und Folge allein nach AGB, oft mit Inaktivitätsgebühr
Bei ungültigen Kontodaten zwei weitere Jahre ReservefristKeine gesetzliche Reservefrist für Schweizer Kundschaft
Bonusguthaben zählt nicht zum Aktivsaldo und verfälltBonusguthaben verfällt in der Regel ebenfalls
Aufsicht durch die ESBK, Ansprechstelle in der SchweizWebsite aus der Schweiz meist gesperrt, Kontakt nur per E-Mail
Expertenkommentar

Was wir in ausländischen AGB als Erstes suchen, sind die Wörter «dormant» oder «inactive» in Verbindung mit einer Gebühr. Steht dort ein fixer Monatsbetrag, ist die Rechnung simpel: Saldo geteilt durch Gebühr ergibt die Monate bis zum Nullstand. In den Inaktivitätsklauseln der zwei Schweizer Anbieter, die wir gelesen haben, steht keine Gebühr.

Altes Guthaben zurückholen: so gehen Sie vor

Ob Sie ein vergessenes Konto wiederentdeckt oder eine Mitteilung des Anbieters erhalten haben, der Weg zum Geld ist in den meisten Fällen derselbe. Er beginnt mit einer einfachen Frage: Läuft das Konto noch, oder wurde es bereits aufgelöst?

Läuft es noch, können Sie den Aktivsaldo nach Artikel 50 VGS jederzeit auszahlen lassen. Die Überweisung geht ausschliesslich auf ein Zahlungskonto auf Ihren Namen, eine Zahlung auf das Konto einer anderen Person ist ausgeschlossen.

Wurde das Konto aufgelöst, ist das Geld nicht verloren. Entweder liegt es schon auf dem hinterlegten Bankkonto, oder der Anbieter hält es reserviert, weil die Überweisung gescheitert ist. In beiden Fällen braucht der Kundendienst eine Bestätigung Ihrer Identität und eine gültige IBAN, bevor er auszahlen kann. Rechnen Sie damit, dass die KYC-Unterlagen erneut geprüft werden, besonders wenn sich Name oder Adresse seit der Eröffnung geändert haben.

Und noch eine Warnung zum Wiedereinstieg: Aktivieren Sie keinen Rückkehrer-Bonus, bevor Ihr Echtgeld ausgezahlt ist.

Sechs Schritte zur Auszahlung des Restguthabens

Die sechs Schritte gelten für ein Konto bei einer in der Schweiz bewilligten Veranstalterin. Bei einem Anbieter ohne Schweizer Bewilligung helfen die ersten drei ebenfalls, der Rest hängt von dessen AGB ab.

  • Schritt 1

    Login-Daten und Kontostatus zuerst prüfen

    Melden Sie sich mit Ihren alten Zugangsdaten an oder setzen Sie das Passwort über die hinterlegte E-Mail-Adresse zurück. Erscheint eine Meldung, dass das Konto geschlossen ist, deutet das auf eine Auflösung nach Artikel 51 VGS hin.
  • Schritt 2

    Echtgeld und Bonusguthaben getrennt notieren

    Halten Sie fest, welcher Teil des Saldos Echtgeld ist und welcher Bonus. Auszahlbar ist nur der Aktivsaldo. Bei CHF 1'250 Gesamtsaldo mit CHF 250 Bonus beträgt Ihr Anspruch also CHF 1'000.
  • Schritt 3

    Inaktivitätsklausel in den AGB nachlesen

    Suchen Sie in den AGB den Abschnitt zu inaktiven Konten. Dort steht, ab wann das Konto als inaktiv gilt und welche Transaktionen der Anbieter als Aktivität wertet. Diese Angaben brauchen Sie für Ihre Anfrage.
  • Schritt 4

    Kundendienst schriftlich um Auszahlung bitten

    Schreiben Sie über das Kontaktformular oder per E-Mail und nennen Sie Benutzername, Name, Geburtsdatum und registrierte Adresse. Verlangen Sie ausdrücklich die Überweisung des Aktivsaldos und eine schriftliche Bestätigung des Betrags.
  • Schritt 5

    Identität bestätigen und gültige IBAN hinterlegen

    Reichen Sie die Kopie eines amtlichen Ausweises oder eine elektronische Identität ein. Die IBAN muss auf Ihren Namen lauten, sonst darf der Anbieter nach Artikel 50 VGS nicht überweisen.
  • Schritt 6

    Zahlungseingang kontrollieren und Konto bewusst schliessen

    Vergleichen Sie den Betrag auf dem Bankkonto mit der Bestätigung des Kundendiensts. Wollen Sie nicht weiterspielen, verlangen Sie anschliessend die Auflösung des Kontos, damit kein neuer Saldo unbemerkt liegen bleibt.
Expertenkommentar

Der Schritt, an dem Rückforderungen am häufigsten haken, ist aus unserer Sicht der zweite. Wer CHF 1’250 erwartet und CHF 1’000 erhält, vermutet schnell einen Fehler des Anbieters. Oft ist es schlicht der Bonusanteil, der nach Artikel 50 VGS nie zum auszahlbaren Saldo gehörte. Eine schriftliche Betragsbestätigung klärt das vorab.

Bonusguthaben, Spielsperre und Wegzug ins Ausland

Was mit offenen Boni geschieht

Gratisspielguthaben gehören nach Artikel 50 Absatz 3 VGS nicht zum Aktivsaldo. Bei einer Auflösung wegen Inaktivität wird also nur Echtgeld überwiesen, Casineo hält das in seinen AGB ausdrücklich fest. Heikel wird es, wenn ein Bonus mit offenen Umsatzbedingungen auf dem Konto liegt. In vielen Bonusbedingungen bleibt während des Wagerings auch die Einzahlung gebunden, und eine vorzeitige Auszahlung lässt den Bonus samt daraus entstandenen Gewinnen verfallen.

Ein Beispiel: CHF 100 Einzahlung, CHF 100 Bonus, Umsatzbedingung 30-fach auf den Bonus. Das ergibt CHF 3’000 Einsatz. Wer nach CHF 1’200 Umsatz pausiert, hat noch CHF 1’800 offen. Lohnt es sich, nach zwei Jahren Pause dafür weiterzuspielen? Selten, denn die Frist der Bonusbedingungen ist in aller Regel längst abgelaufen.

Sperre und Wohnsitzwechsel

Eine Spielsperre beendet Ihren Anspruch auf das Guthaben nicht.

Artikel 51 VGS verlangt die Auflösung auch dann, wenn Sie die Voraussetzungen für ein Spielerkonto nicht mehr erfüllen, etwa wegen einer Spielsperre oder weil Sie keinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz mehr haben. Das Guthaben wird in diesen Fällen ebenfalls auf ein Zahlungskonto auf Ihren Namen überwiesen. Wer ins Ausland zieht, lässt den Saldo deshalb am einfachsten vor dem Umzug auszahlen, solange das Schweizer Bankkonto noch besteht.

Häufige Fragen zu inaktiven Spielerkonten

Wann gilt ein Casino-Konto in der Schweiz als inaktiv?

Die VGS nennt keine Frist für die Einstufung, wohl aber für die Auflösung: mehr als zwei Jahre Inaktivität. Ab wann ein Konto als inaktiv markiert wird, regeln die AGB, bei Casineo etwa nach sechs Monaten.

Verliere ich mein Guthaben, wenn das Konto aufgelöst wird?

Nein. Nach Artikel 51 VGS wird das Guthaben auf ein Zahlungskonto auf Ihren Namen überwiesen. Nur wenn das scheitert und Sie unerreichbar bleiben, geht es nach zwei weiteren Jahren an den AHV-Ausgleichsfonds.

Wird auch mein Bonusguthaben ausbezahlt?

Nein. Gratisspielguthaben gehören nach Artikel 50 Absatz 3 VGS nicht zum Aktivsaldo. Ausgezahlt wird nur Echtgeld, ein offener Bonus verfällt bei der Auflösung des Kontos.

Was gilt bei einem Konto bei einem gesperrten Auslandsanbieter?

Dann gelten nur dessen AGB, der Schutz der VGS greift nicht. Prüfen Sie dort die Klausel zu inaktiven Konten und fordern Sie das Guthaben schriftlich per E-Mail an, da die Website aus der Schweiz meist gesperrt ist.

Kann ich das Guthaben auf das Konto einer anderen Person überweisen lassen?

Nein. Gewinne und Guthaben dürfen nach Artikel 50 Absatz 2 VGS ausschliesslich auf ein Zahlungskonto auf den Namen der Kontoinhaberin oder des Kontoinhabers fliessen. Hinterlegen Sie also eine IBAN, die auf Sie lautet.

Martina Wyss
Autor des Artikels: Martina Wyss
Analystin Bonusbedingungen & Aktionen
Rechnet jeden Bonus an einem Beispiel in Franken durch, zeigt, worauf sich der Umsatzfaktor bezieht, und nennt die Klausel, die in den Bedingungen am meisten kostet.

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