Schuldenberatung bei Spielschulden

Corinne Lüthi-Rodrigues
Zuletzt aktualisiert am 4. August 2026, 11:44
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Schuldenberatung ist die fachliche Begleitung von Personen, die ihre Schulden nicht mehr aus dem laufenden Einkommen bezahlen können: Eine Fachstelle erfasst alle Forderungen, erstellt mit Ihnen ein Budget und sucht mit den Gläubigern eine tragbare Lösung. In der Schweiz bieten gemeinnützige Fachstellen diese Beratung in der Regel kostenlos und vertraulich an. Für Spielende wird der Begriff dann wichtig, wenn Verluste aus Casino, Sportwetten oder Lotterien nicht mehr aus dem Budget gedeckt werden. Die Beratung übernimmt keine Schulden, sie ordnet sie.

Schuldenberatung

Was eine Schuldenberatung konkret leistet

Am Anfang steht die vollständige Übersicht. Die Fachstelle listet alle Verbindlichkeiten auf, schreibt bei Bedarf die Gläubiger an und stellt den Einnahmen jene Auslagen gegenüber, die Sie und Ihre Familie monatlich zum Leben brauchen. Bleibt nach diesem Abzug Geld übrig, spricht man von einem Budgetüberschuss.

Dieser Überschuss ist die Rechengrösse, auf der jede weitere Lösung aufbaut.

Reicht er aus, kann die Beratung in eine Schuldensanierung übergehen: Der Überschuss wird für eine bestimmte Zeit den Gläubigern zur Verfügung gestellt, die dafür Ratenzahlungen oder einen Teilerlass gewähren. Eine gesetzliche Vorgabe, wie viel die Gläubiger erhalten müssen, gibt es in der Schweiz nicht, denn sie entscheiden selbst, ob sie einem Angebot zustimmen. Caritas nennt als Richtwert eine Sanierungsdauer von höchstens 36 Monaten. Reicht der Überschuss nicht, bleibt die Arbeit an Budget und Einkommensverwaltung, bis sich die Lage so weit stabilisiert hat, dass ein Angebot an die Gläubiger möglich wird.

Für den ersten Termin legen Sie Betreibungen, Mahnungen und Lohnabrechnungen in einen Ordner, damit die Fachstelle die Forderungen rasch erfassen kann.

Beratung oder Sanierung: wo der Unterschied liegt

Die beiden Begriffe werden oft gleichgesetzt, obwohl die Sanierung nur einer von mehreren möglichen Wegen innerhalb einer Beratung ist. Die Gegenüberstellung zeigt, welcher Schritt für welche Aufgabe zuständig ist.

Schuldenberatung

Schuldensanierung

Erstellt das Budget und erfasst alle ForderungenSetzt ein fertiges Sanierungsbudget voraus
Auch ohne Budgetüberschuss möglichBraucht genügend Liquidität, meist aus Einkommen
Ziel: eine tragbare finanzielle LageZiel: am Ende keine Schulden mehr
Bei gemeinnützigen Fachstellen meist kostenlosWird in der Regel von denselben Fachstellen begleitet
Freiwillig, ohne Bindung der GläubigerGerichtlicher Nachlassvertrag bindet auch ablehnende Gläubiger

Wo Spielende der Schuldenberatung begegnen

Im Geldspiel taucht das Thema an einer Stelle auf, die viele überrascht: im Spielerschutz der Spielbanken. Nach den Angaben der ESBK sprechen Schweizer Spielbanken eine Spielsperre aus, wenn sie wissen oder annehmen müssen, dass eine Person überschuldet ist, ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommt oder Einsätze riskiert, die in keinem Verhältnis zu Einkommen und Vermögen stehen. Die Sperre stoppt neue Verluste, an den bestehenden Schulden ändert sie jedoch nichts.

Genau diese Lücke schliesst die Schuldenberatung.

Laut Zahlen der Schuldenberatung Schweiz, die SRF im März 2025 zitierte, hatten Personen mit Schulden aus Geldspiel im Schnitt knapp 116’000 Franken Schulden. Bei einem solchen Betrag genügt ein Ratenplan aus dem Monatslohn selten, und die Frage nach Teilerlass oder Nachlassvertrag stellt sich entsprechend früh.

Eine Grenze betrifft Anbieter mit Lizenz aus dem Ausland. Eine Schweizer Spielsperre gilt für alle Spielbanken vor Ort und für die Online-Geldspiele der Schweizer Anbieter wie Swisslos oder Loterie Romande, während sie bei ausländischen Seiten für jede Seite einzeln beantragt werden muss. Wer dort weiterspielt, während eine Sanierung läuft, gefährdet den Budgetüberschuss, auf den sich die Gläubiger verlassen. Richten Sie deshalb parallel zur Beratung eine freiwillige Spielsperre ein, persönlich oder schriftlich mit Ausweiskopie bei einer Spielbank Ihrer Wahl.

Anlaufstellen und Kosten in der Schweiz

Die gemeinnützigen Fachstellen sind im Dachverband Schuldenberatung Schweiz organisiert, der auf schulden.ch die Stellen nach Wohnkanton auflistet. Daneben beraten die Sozialdienste der Wohngemeinde sowie Organisationen wie Caritas oder das Schweizerische Rote Kreuz.

Die Beratung selbst kostet bei diesen Stellen in der Regel nichts, Kosten entstehen allenfalls für externe Leistungen wie Registerauszüge.

Was ich bei einem Angebot zuerst prüfe, ist, ob die Stelle auf der Liste des Dachverbands steht und nach dessen Grundsätzen arbeitet. Für einen ersten anonymen Kontakt gibt es die kostenlose Hotline «SOS Schulden» unter 0800 708 708, die laut Caritas von Montag bis Donnerstag zwischen 10 und 13 Uhr erreichbar ist. Steht weniger das Geld als das Spielen selbst im Vordergrund, berät SOS Spielsucht unter 0800 040 080 rund um die Uhr, kostenlos und anonym. Beide Angebote schliessen sich nicht aus, und wer mit dem einen beginnt, kann das andere später dazunehmen.

Notieren Sie vor dem Anruf die ungefähre Gesamtsumme Ihrer Schulden, damit die Beratung Sie gezielt an die zuständige Fachstelle weiterleiten kann.

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